Vorwort: Hier und Jetzt
Sabine Wagenseils neueste Schrift ist ein Gesang an die Kostbarkeit des Lebens. Einem solchen Gesang kann man sich nur hingeben, mitschwingen in der Abfolge der Melodie, ihn im eigenen Inneren wirken lassen. Das „Jetzt und Hier“, wie sie den Titel ihres Büchleins nennt, ist für sie eine Art „Rastplatz“, der Ruhe ausstrahlt, und von dem aus neue Wege beschritten werden – Lebenswege.
Leben ist für Sabine ständige Entwicklung und Lernen. Jede neue Biegung des Weges kann Überraschendes enthüllen, jede menschliche Begegnung weitet unser Bewusstsein, macht uns vollständiger. Alles, was uns begegnet, ist ein Blick in den Spiegel. Jede Begegnung, jeder „äussere Umstand“, enthüllt weitere Facetten unseres Selbsts.
„Nicht-zwei-sein“, sagt der grosse indische Philosoph Ramana Maharshi; „all-eins“-sein, „die Welt, das bist du“, ist die Botschaft Mario Manteses, von Meister M, wie er oft liebevoll genannt wird. Es gibt nichts anderes, nur der Kosmos kann den Kosmos erkennen, schreibt Sabine.
Sie nimmt uns mit auf ihrer eigenen Entwicklungsreise, um die Welt der Getrenntheit, der Dualitäten zu überwinden und das „Ich“ als Traumgestalt zu erkennen: „Dann (strömt) eine unglaubliche Liebe und Kostbarkeit aus allem; denn alles hat nun auf einmal Poren, ist durchlässig und scheint zu atmen. Es ist unfassbar, wie schön diese Welt ist.“
Ein solches Aufwachen geschieht (meistens) allmählich. Dann wird sehr klar, dass Kollektives und Individuelles eins sind. „Wenn es uns allen gut geht, dann geht es auch mir gut“, schreibt Sabine.
Ein grosser Teil ihrer Schrift beschäftigt sich mit der weltweiten Finanzkrise, die sie als Entwicklungskrise unseres Selbst sieht. Der Werteverfall von Aktien entspricht dem Zusammenbruch der Werte in der Person. Die gegenwärtige Finanzkrise der Welt ist in ihrer Tiefe eine kulturelle, eine geistige Krise. Was es heute bedarf, ist weniger eine Stabilisierung des Alten mit milliardenschweren Finanzspritzen, sondern eine „geistige Umkehr“, wie sie beschrieben ist in der bekannten Geschichte vom „verlorenen Sohn“.
„Umkehr“ ist möglich, wenn die Krise angenommen wird als das, was sie ist. Wenn wir sie nicht mehr schönreden, wenn wir aufhören, sie zu bekämpfen. Dann kann sich eine Welt offenbaren, die Wandel ist, und nichts als Ausdruck unendlicher Stille, die unsere Heimat ist.
Alle Menschen sehnen sich zutiefst nach dieser Heimat. In ihr anzukommen macht uns reich. Obwohl wir schon immer da wohnen, fühlt es sich für manchen wohl an wie die Entdeckung eines neuen Landes, dessen kreative Potentiale zusammenfliessen: Konkurrenz hört auf und Kooperation entsteht. Kooperation zwischen den Menschen aller Kulturen, zwischen allen Lebewesen, Synergie zwischen Mensch und Natur, Zusammenfliessen aller Kräfte zur Heilung der Welt.
Umkehr ist möglich. Allerdings braucht es dazu Mut, die Herzenspforte zu durchschreiten. Die bestimmende Kraft eines Denkens, das aus der Angst geboren ist, kann sich verwandeln in Liebe, die grösste Kraft überhaupt. Liebe genügt sich selbst. Wer liebt, ist angekommen, hört auf nach Sinn zu suchen. Liebe ist nicht geknüpft an Bedingungen. Sie ist immer verbunden mit Fülle.
Sabines Schrift ist ein Gesang zum Erwachen aus den alten Rollen, Identifikationen und Vorstellungen, um staunend das Neue Land zu erblicken, das die Fülle selbst ist.
Für alle Aspekte der Krise unseres Planeten gibt es inzwischen Lösungen. Es geht nur darum, unsere Angst zu überwinden, die Herzenspforte im „Jetzt und Hier“ durchschreiten.
Ingo Benjamin Jahrsetz
www.holotropes-atmen.com
























